ANALOG-DIGITALE DIPTYCHEN
Donnerstag, 1. 7. 2010, 19:00 Uhr
KUNSTHALLE Wien, project space am Karlsplatz
Treitlstraße 2, 1040 Wien / Austria
Lisa Klein zeigt ausgewählte Arbeiten, die im Rahmen der ORF-Universum-Dokumentation „Rose – Königin der Blumen“ entstanden sind: plastisch-hyperrealistisch gemalte Pflanzendetails mit den dazugehörigen Entstehungsprozessen, welche mit Hilfe digitaler Zeitraffertechnik dokumentiert wurden. Der Sendetermin der Dokumentation war am 10. 6. 2010, 21.05 Uhr, ORF 2.
Einleitende Worte: Lucas Gehrmann
...Ich verstehe meine Beiträge in diesem Dokumentarfilm als „Kunst im öffentlichen Raum“, weil für mich heutzutage auch die Medien zu diesem Raum gehören. Darüber hinaus entstand dabei ein interessantes Endprodukt: einerseits das reale Tafelbild mit der Malerei, andererseits der dazugehörige Zeitrafferfilm im Endlosloop. Sozusagen ein „analog-digitales Diptychon“, welches neben dem klassischen Interpretieren und Beurteilen eine zusätzliche Dimension des Betrachtens anbietet. Nämlich ein Analysieren und Beobachten des malerischen Arbeitsprozesses und eine aktive Auseinandersetzung mit dem Zeitfaktor und seinen Gesetzmäßigkeiten. Das Langsame wird dem Schnellen gegenübergestellt und zugleich als Werk vereint... Lisa Klein
kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2008
Lisa Klein bei Young Austrian Art in Wien
Hautpanzer und Knochenwäsche
Im Sommer lässt Barbara Preyer schon mal die Tür offen, um den Leuten die Schwellenangst zu nehmen. Derzeit lockt die Galeristin, die nun schon die neunte Ausstellung in ihrer Galerie in der Breite Gasse zeigt, mit intimen Arbeiten der österreichischen Künstlerin Lisa Klein. Diese lassen zunächst an zarte Wäsche, aber auch an Fetischkleider denken.
Kleins Objekte schweben an Schnüren frei im Raum, hängen an der Wand oder stehen auf metallenen Laschen, die ebenfalls an Bekleidungsdetails denken lassen, wie auf eigenen Füßen. Klein fertigt sie aus der Kombination unterschiedlichster Materialien: Gips ist immer dabei, dazu kommen Acrylharz, Moos, Kunstrasen, Silikon oder auch schon einmal Fliesenkreuze.
Je nach Perspektive kommen auch Assoziationen mit Architekturmodellen auf. Manchmal lassen die Körperabformungen sogar an Knöchelchen denken oder an kleine Panzer. Und das sind sie, obgleich vielleicht mit Rosen bestickt, auch: leere, fragmentierte Hüllen, die auf die Abwesenheit des verletzlichen Inneren verweisen. Oszillierend zwischen Fragilität und aggressivem Äußeren, ähneln sie den Rosen, die Klein in riesige Gemälde fasst. Betörend und dornig zugleich. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.10.2008)
Pressetext zur Ausstellung
Lisa Klein/ FLEISCHR(L)OSE DIÄT
Als Malerin hat sich Lisa Klein der Dreidimensionalität verschrieben: Sie verortet ihre Arbeiten im "Plastischen Realismus" – ein Begriff, der letztlich ihre künstlerische Herkunft beschreibt: "Obwohl oder noch besser weil ich mich in den ersten Jahren meiner Künstlerinnenlaufbahn, etwa 2000-2002, sehr intensiv mit Fotorealismus beschäftigt habe, konnte ich einen neuen Weg finden, konnte herausfiltern, dass für mich die Dreidimensionalität das Wichtigste ist," sagt sie selbst.
In der aktuellen Ausstellung, zu sehen in der Galerie Young Austrian Art, setzt sich die Künstlerin erneut intensiv mit ihrer Wahrnehmung von Dreidimensionalität auseinander, manifest und zu sehen in Form von Malerei, Objekten und Fotografie. Dabei umschließe ihr gestalterisches Konzept auch die Räume der Galerie, so Lisa Klein.
Die Malerei zeigt dem Betrachter auf den ersten Blick fast barock-manieriert anmutende Rosen. Stark überzeichnet offenbaren die Blüten im entschleunigten Sichtbarmachen von Details ebenso wie durch die Farbwahl eine Mehrdeutigkeit, die die Klischeeblumen jeglichen Kitschverdachtes entzieht. "Durch das Wechselspiel von Offensichtlichem und Geheimnisvollem entsteht ein Spannungsfeld, welches zu Inhalten führt, die auch ambivalent sein können", beschreibt die Künstlerin ihre Betrachtungsweise. Die Serie "No Body at Home?" zeigt Augen, die von schwarzen Cinemascope-Streifen begrenzt sind; dieses Sujet als Anspielung auf religiöse Bekleidungsvorschriften zu sehen, liegt nahe. Doch die Deutungshoheit bleibt hier alleine den Betrachtern überlassen.
Die Ausstellung umfasst neben der Malerei auch frei im Raum oder an der Wand hängende Objekte, Körperabformungen oder "No Body Sculptures", wie Lisa Klein sie nennt. Im Gegensatz zur akkuraten Detailgenauigkeit ihrer Bilder setzt die Künstlerin hier auf Reduktion und Abwesenheit. Lediglich die Außenhaut einer Person bleibt den Blicken des Betrachters ausgesetzt.
In der fotografischen Auseinandersetzung mit den "No Body Sculptures" erzeugt Lisa Klein schließlich noch einmal ganz neue Inhalte: Die Fotografien zeigen die Objekte aus ungewöhnlichen Aufnahmewinkeln – und erzeugen so für den Betrachter ungeahnte Kontexte, neue Situationen, rätselhafte Gegenstände.
Zitat der Künstlerin:
"Mir geht es bei meinen Arbeiten mehr um Präsenz als um Penetranz. Durch Vieldeutigkeit oder auch Rätselhaftigkeit möchte ich für die BetrachterInnen meine Kunst öffnen. Dennoch ist mir Wertigkeit und Materialbeherrschung ein Anliegen, möchte ich gleichzeitig durch handwerkliche Qualität ein Gefühl des Vertrauens vermitteln."
ANSICHTEN 1 "Florafiktionen" QuadrART Dornbirn 08. Okt. - 20. Nov. 2009
Ausstellende Künstler: Nobuyoshi Araki, Astrid Bechtold, Dieter Buchhart, Ori Gersht, Ernst Hartig, Lisa Klein, Elfriede Mejchar, Rudi Molacek, Bernadette Rosa Müller und Wilhelm Scheruebl |
Spätestens seit der Hochblüte des Blumenstilllebens im 17. Jahrhundert ist die blühende Pflanze nicht allein Gegenstand der Naturbeobachtung und „Erbauung“, sondern fungiert auch als sinnbildhafte Trägerin von Bedeutungen und (Lebens-)Zuständen. In der Moderne des 20. Jahrhunderts lebte diese Tradition insbesondere im Stillleben der Neuen Sachlichkeit und ihrer Sub-Ismen (z.B. Magischer Realismus) nochmals auf, um mit dem Rückgang der „Genres“ Landschaft, Stillleben, Naturstück etc. nach 1945 für eine ganze Weile eine nurmehr periphere Rolle zu spielen. „Salonfähig“ wurde das Blumensujet vielleicht erst wieder mit Andy Warhols siebgedruckten Varianten und Kombinationen seines in die Fläche gepressten, dekor- und jedenfalls pop-artigen Blütenmotivs. Die „flower power“-Bewegung der Hippie-Kultur mag zur Rehabilitierung dieses Sujets auf einer breiteren Ebene beigetragen haben.
KünstlerInnen der heute mittleren und jüngeren Generation widmen sich dem Themenbereich „Natur“/Pflanze/Blüte oftmals wieder in einem „sinnbildlichen“ Sinn. Dabei spielt der zusehends als höchst problematisch erkannte Umgang unserer Zivilisation mit der Natur ebenso eine Rolle wie die (damit in Verbindung stehende) neue Sehnsucht nach „authentischen“ Emotionen, ungekünstelten wie auch friedfertigen Lebenswelten. Abseits der ausgetretenen Pfade naturalistischer Wirklichkeitswiedergabe finden sie über verschiedene Wege (wie z.B. Abstraktion/Reduktion/Analyse, Intensivierung/Verdichtung, konzeptueller und prozessualer Darstellungen …) neue Formen der Behandlung und Vermittlung der komplexen Zusammenhänge zwischen Mensch/Technik/Gesellschaft … und Natur.
Die Ausstellung „Florafiktionen“ verweist über ihren Titel auf den auch stets fiktionalen Aspekt bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema vor dem Hintergrund unserer von medialen Bildern und Informationen vermittelten Vorstellung (und Vermarktung) von Natur – worauf die jüngere künstlerische Produktion immer wieder zu reflektieren scheint.
Gezeigt wird eine kleine Auswahl an zeitgenössischen Zugängen zu diesem Thema, bei der darauf Wert gelegt wurde, dass sich fast ausnahmslos alle hier vertretenen KünstlerInnen über längere Werkabschnitte explizit diesem Bereich gewidmet bzw. darauf spezialisiert haben. Das Spektrum reicht von der Fokussierung auf gesellschaftspolitische Intentionen über sinnlich-erotische Metaphern bishin zu experimentell-analytischen Farb- und Formabstraktionen – Überschneidungen nicht ausgeschlossen.
Lucas Gehrmann
Pressetext zur Ausstellung im Schauspielhaus anlässlich des Volkshilfeprojekts
Lisa Klein – Stage A/ Eröffnung am 25.11.2005
Im handgearbeitetenTeppichunikat „stage A“ sind stark abstrahierte Figuren in einer archaisch anmutenden Ursprünglichkeit zu sehen, die trotz spontaner Linienführung Gefühle und Stimmung ausdrücken. Dicht ineinander geschobene Szenen zeigen verschiedene Daseinsebenen und Stimmungen der Menschen. Nackt und somit gleichgestellt, kommunizieren die „AkteurInnen“ miteinander. Sie unterscheiden sich weder durch Kleidung, noch sind sie von etwas umgeben, dass man sie materiell einstufen könnte. Nichts lenkt mehr ab, nur noch Form, Gestik und Ausdruck wird wahrgenommen. Einerseits erinnern diese Szenen im Teppich an Comics, andererseits auch an die Linearornamentik der Antike.
Das Thema erschien der österreichischen Künstlerin Lisa Klein für das Volkshilfe / Schauspielhaus - Projekt, als sehr geeignet. Sie konnte dabei gewisse Synergien wahrnehmen. - Denn soziale Kunstprojekte sind in ihren Augen besonders dann sinnvoll, wenn Faktoren zusammenwirken die sich gegenseitig fördern.
Ergänzend zum Teppich zeigt die Künstlerin Gravuren und Papierarbeiten, bei denen sich das figurale Thema fortsetzt.