„Es geht mir um die erlebte Schönheit des Augenblicks - diesen Moment, in dem scheinbar Unattraktives oder Sprödes, auf einmal schön wird, wie plötzlich von der Sonne beschienen.“
(Zitat aus der Publikation LISA KLEIN, Ich schau es mir schön, 2021, Verlag Kerber)
Dieses Zitat ist für mich eine Art Leitsatz. Dadurch manifestiert sich in letzter Zeit immer stärker der Wunsch, die Schönheit des Zufalls und des Moments herauszuarbeiten. Dadurch entstehen auch
neue Ideen und Impulse für meine Malerei.
Bereits in der Fotoserie „Things Available“ (2017/18) ist dieser natürliche Zugang zur Schönheit spürbar. Dabei achte ich darauf, das ästhetisch nüchterne, freie Sehen zu bewahren, um Dinge des
Lebens – in diesem Fall vorhandene Dinge aus dem Atelier – in ihrer Einfachheit und Schönheit darzustellen. Um Unikate zu erzeugen, habe ich die kleineren Formate der Fotoserie mit bewussten
Ritzungen versehen.
Photographic art
Derzeit stelle ich mich der Herausforderung, bei der hyperrealistischen Malerei Zufälligkeit und Präzision zu verbinden. Geknülltes Papier erscheint mir dafür sehr geeignet.
Bei der Erstellung der Fotovorlage wende ich dieselbe Technik an wie bei der Serie „Things Available“.
Beim Malen selbst fordere ich meine Wahrnehmung dann noch zusätzlich heraus. Im Zustand höchster Konzentration betrachte ich die Vorlage so lange, bis mein Geist die Informationen und
Verbindungen liefert, die das Foto gar nicht enthält. Dieses Phänomen ist vermutlich der Grund, warum ich nicht sage: „So, das Foto ist schon das Kunstwerk.” Denn für mich geht die Präsenz des
gemalten Bildes weit darüber hinaus. Zudem ist die Lichtbrechung der Ölpigmente besser als die Oberfläche eines Fotos.
lisaklein.at
Zwischen den längeren Phasen des realistischen Malens verspüre ich aber nach wie vor den Wunsch, spontaner zu arbeiten. Ich bin jetzt jedoch mutiger geworden.
Ich lege Genauigkeit und Konzept bewusst beiseite und ich arbeite aus dem Moment heraus. Dabei lasse ich auch Zufälle zu. Zusätzlich wähle ich Malmittel und Werkzeuge aus, mit denen ich zügig
arbeiten muss. Der zeichnerische bzw. malerische Prozess ist intuitiv und dauert so lange, bis ich etwas erkenne. Das kann auch sehr schnell gehen. Aber ein nicht gegenständliches bzw. abstraktes
Bild sollte meiner Meinung nach zumindest so viel Information enthalten, dass die Betrachterinnen und Betrachter imaginieren können.
Non-objective-and-abstract-paintings-on-canvas
Non-objective-paintings-on-paper
Rückblickend kann ich sagen, dass sich mein Gesamtwerk zwischen langsamer Präzision und Spontanität bewegt. Es gibt Arbeiten, die entweder das eine oder das andere zeigen, aber auch solche, die
beide Aspekte verbinden.
Nach wie vor gilt für mich jedoch das folgende Statement:
Ich möchte meine Kunst für die Betrachterinnen und Betrachter durch Vieldeutigkeit oder auch Rätselhaftigkeit öffnen. Dennoch sind mir Wertigkeit und Materialbeherrschung wichtig. Durch
handwerkliche Qualität möchte ich ein Gefühl des Vertrauens vermitteln.
‘For me, it's about the beauty of the moment – that moment when something seemingly unattractive or brittle suddenly becomes beautiful, as if suddenly illuminated by the sun.’
(Quote from the publication LISA KLEIN, Ich schau es mir schön, 2021, Kerber Verlag)
This quote is a kind of guiding principle for me. As a result, the desire to bring out the beauty of chance and the moment has become increasingly strong in recent times. This also gives rise to
new ideas and impulses for my painting.
This natural approach to beauty is evident in the photo series ‘Things Available’ (2017/18). While maintaining an aesthetically sober and free vision, it is important to me to portray the things
of life, in this case objects from the studio, in their simplicity and beauty. To create unique pieces, the smaller formats of the photo series were deliberately scratched.
Photographic art
Currently, I am facing the challenge of combining randomness and precision in hyperrealistic painting. Crumpled paper seems very suitable for this purpose.
When creating the photo template, I use the same technique as in the ‘Things Available’ series. When I paint, I push my perception even further. In a state of intense concentration, I study the
template until my mind provides insights and connections that aren't even present in the photograph itself. This is probably why I don't say, 'The photograph is already a work of art.' For me,
the painted image has a much greater significance. Additionally, the refraction of light in oil pigments is superior to that on the surface of a lisaklein.at
However, between the longer phases of realistic painting, I still feel the desire to work more spontaneously. But I have become bolder.
I consciously set aside accuracy and concept and work in the moment. I also embrace coincidences. I also choose painting materials and tools that enable me to work quickly. The drawing or
painting process is intuitive and continues until I recognise something. This can happen very quickly. However, in my opinion, a non-representational or abstract image should contain enough
information for viewers to be able to imagine something.
Non-objective-and-abstract-paintings-on-canvas
Non-objective-paintings-on-paper
Flowing
Looking back, I would say that my entire body of work oscillates between slow precision and spontaneity. Some pieces display one or the other, while others combine both aspects.
However, the following statement still applies to me:
I want to open up my art to viewers through ambiguity or even mystery.
Nevertheless, quality and mastery of materials remain important to me. I want to convey a feeling of trust through the quality of my craftsmanship.